Christoph Napp-Zinn

Vortrag von Christoph Napp-Zinn* zur Eröffnung einer Ausstellung Gerhard Launers an der Europäischen Schule in Luxemburg:

 

Was wir sehen, ist nicht die Realität und was wir wissen, ist nicht das, was wir sehen.

"Fotografie ist doch aber keine Kunst!" So zumindest das Schülerurteil nach dem Besuch einer Fotoausstellung. Und er ergänzte seine Behauptung mit dem bemerkenswerten Argument "Für mich ist Fotografie nur so etwas wie eine Fotokopie von einem Bild, das ich in meinem Kopf habe."

Die physikalischen Erkenntnisse sowie die Entdeckung der Perspektive als Mittel der Räumlichkeitsvermittlung im zweidimensionalen Bild haben uns jedoch verdeutlicht, dass das, was wir sehen, eben nicht der Realität entspricht.

So verändert. sich beispielsweise die farbliche Erscheinung eines Gegenstandes bei zunehmender Dunkelheit, jedoch nicht seine sogenannte Eigenfarbe, d.h., sein farbliebes Absorptionsvermögen.

Genauso wenig verändert ein Fahrzeug seine tatsächliche Größe, wenn es sich von uns entfernt. Lediglich unser Wahrnehmungsvermögen vermeldet, dass es scheinbar kleiner wird. Trotz unseres Wissens um die Realität sieht das Auge die Welt anders.

Umso erstaunlicher ist es, dass ein technisches Gerät wie eine Fotokamera nicht etwa objektiv die Realität abbildet, sondern vielmehr, das, was unsere Augen registrieren.

Künstler verwenden Perspektive ganz gezielt, um sichtbar zu machen, dass sie sich nicht an ihren Erkenntnissen bezüglich der Realität orientieren. Ihre Welt spiegelt das, was das subjektive Auge wahrnimmt, wobei sie ihren Standpunkt je nach beabsichtigter Aussage­ festlegen.

Wir unterscheiden in diesem Zusammenhang zwischen Frosch- und Vogelperspektive. Dabei beschränkt sich die Sicht des normalen Betrachters in der Regel auf die aus der Froschperspektive, was für den alltäglichen Bedarf auch ausreicht.

Im Gegensatz zum Künstler vollzieht sich dieser Schritt beim Fotografen nicht mehr nur imaginär sondern tatsächlich: Ohne Flugzeug wäre ein Großteil der Bilder Gerhard Launers nicht möglich und dabei ist es entscheidend, dass er selbst den Steuerknüppel in Händen hält, denn nur so ist gewährleistet, dass er sich zum richtigen Zeitpunkt genau am festgelegten Ort befindet.

Kaum einem anderen Fotograf gelingt es, Wasser gezielt in derart gegensätzlichen Farben darzustellen: mal blendend weiß im Gegenlicht vor dunkler Kulisse, mal abgrundtief schwarz senkrecht von oben gesehen in farbenfroher Landschaft.

Natürlich fehlen in seiner Palette ebenso wenig die Farbtöne des Himmels wie die der Natur, vorausgesetzt sie spiegeln sich gerade im Wasser.

Man könnte daher annehmen, Gerhard Launer wäre in seinem Wesen als Fotograf ein reiner Impressionist. Doch wird man schnell eines Besseren belehrt: "Im Labor suche ich dann unter den zahllosen Aufnahmen eines Motivs jenes aus, das nach meinen Empfindungen das Charakteristische des Objektes am präzisesten trifft. Anschließend bearbeite ich die Farben der Aufnahme solange bis sie meine Eindrücke unverfälscht wiedergeben."

Also doch nicht der unbeteiligte Beobachter, der seiner Kamera die neutrale, fast naturalistische Sehweise eines Monets überlässt. Vielmehr denkt man jetzt an einen van Gogh, dem es nicht mehr ausreichte, nur die Eindrücke seiner Netzhaut abzubilden, sondern vielmehr die seiner Seele in seinen Gemälden auszudrücken. Und so verfärbt Launer die Blätter der Bäume intensiver als ein Herbst es jemals vermag, weil er die Farben des Laubes nicht nur sieht, sondern empfindet.

Doch man würde Launer nicht gerecht, würde man nur den farblichen Aspekt seines Werkes hervorheben. Unablässig durchforstet er die Welt unter seinen Flügeln nach kompositorischen Elementen wie Anordnung, Rhythmus, Reihung oder Struktur.

Welche Bedeutung der richtige Zeitpunkt für das Aussehen der Dinge hat, ist schon durch die Impressionisten erkannt worden. So hat Monet seine Motive ganz gezielt zu den unterschiedlichsten Tages- und Jahreszeiten wiederholt dargestellt, um zu verdeutlichen, wie schnell sich ihr farbliches Erscheinungsbild in Abhängigkeit vom Licht verändern kann.

Gerhard Launer teilt mit den Impressionisten im Zusammenhang mit Landschaftsdarstellung die Vorliebe für Schnee und Wasser als Studienobjekte. Oft nutzt er die letzten Lichtstrahlen um den landläufig als weiß bezeichneten Schnee in seiner ganzen Farbigkeit abzulichten. Das Licht der jetzt flachen Sonnenstrahlen wird nun auf seinem längeren Weg durch die Atmosphäre intensiver gefiltert, so dass der Schnee in Launers Bildern warme Töne wie gelb, orange oder beige annimmt.

Auch die Erkenntnis Monets, dass bei Tageslicht der Schatten auf dem Schnee als blau erscheint, finden wir in Launers Bildern wieder.

Eine besondere Rolle im Werk Gerhard Launers spielt das Thema Wasser: Immer wieder widmet er sich der Darstellung von Flüssen, Seen und Meeren. Speziell die Eigenschaft des Wassers, Spiegelung und Transparenz gleichzeitig zuzulassen, fasziniert den Fotografen.

 

Nirgends wird die Abhängigkeit des Aussehens der Dinge sowohl vom Standpunkt des Fotografen als auch von der Position der Lichtquelle deutlicher sichtbar. Und da sich in der Natur die Position der Lichtquelle ständig ändert, variiert je nach Standptunkt des Betrachters auch die Erscheinung des Wassers.

So wartet Launer geduldig auf den richtigen Zeitpunkt, fliegt eine Warteschleife nach der anderen, während er unablässig nach der richtigen Position sucht, bis schließlich alles zusammen passt, um seiner Vorstellung gerecht zu werden. Und wenn Launer im Hafen die zu verladenden Container ins Visier nimmt, fallen einem unwillkürlich die Akkumulationen von Arman** ein, die ebenso zufällig scheinen und doch so geordnet sind.

Die Liebe zur formalen Gestaltung treibt Launer immer weiter fort vom Gegenstand und dann ist es nicht mehr der gefrorene See, den er vor Augen hat, sondern die Struktur der Brüche

und Risse im Eis, die zum Thema seiner Bilder wird. Ohne jeden Hinweis auf eine naturwissenschaftliche oder dokumentarische Aussage, wird ein solches Phänomen zum Ausgangspunkt formaler Auseinandersetzung, die zwangsläufig an die Arbeitsweise von Willi Baumeister und Co erinnert.

Durch die Auswahl des Ausschnittes vereinfacht Launer nun die Realität zu geometrischen Grundformen, mit denen er zu spielen beginnt, bis nur noch die Komposition im Vordergrund steht, Kompositionen, die an Spannung und Harmonie gegenüber Arbeiten von Ellsworth Kelly*** nichts vermissen lassen. Doch anders als die abstrakten Künstlern geht Launer immer von der Realität aus und lässt den Betrachter nicht im Zweifel:

Hier handelt es sich um unsere Welt, gesehen und gestaltet von einem Fotografen, der mit den Mitteln und Intentionen eines Künstlers arbeitet, nur dass er anstelle des Pinsels  die Kamera als Arbeitsgerät  verwendet.

 

Fotografie ist doch Kunst!

 

*Christoph Napp-Zinn (* 1955 in Stuttgart) ist ein deutscher Künstler, Grafiker und Designpädagoge.

**Akkumulation (lat. accumulo: anhäufen) ist eine 1960 von Arman geprägte Bezeichnung für eine Gestaltungsform der Objektkunst, bei der eine Menge gleichartiger Gebrauchsgegenstände zu einem Arrangement angehäuft und in Glaskästen oder Plexiglashüllen gesammelt werden, um diesen verbrauchten Zivilisationsgegenständen neue ästhetische Eigenschaften zu verleihen.

In solchen Akkumulationen soll deutlich gemacht werden, dass gleiche Gegenstände, die den gleichen Funktionscharakter haben, in ihrer äußeren Erscheinung nicht gleich sind, sondern individuelle Eigenschaftswerte besitzen, die erst in der Anhäufung der gleichen Dinge sichtbar werden. Die Akkumulation erweist sich nur scheinbar als chaotisch, vielmehr entwickeln die Dinge in den durchsichtigen Schaukästen einen Verweisungshorizont, der die moderne Lebenssituation, das Okkupiertsein von Technik und Konsum, offenlegt.

Diese Methode der Material- bzw. der Objektkunst wurde vorwiegend von den Nouveaux Réalistes Arman, Jean Tinguely, Daniel Spoerri und César verwendet.

(Quelle: Wikipedia)

***  Ellsworth Kelly (* 31. Mai 1923 in Newburgh, Orange County, New York) ist ein US-amerikanischer Maler und Bildhauer. Kelly ist ein Hauptvertreter der malerischen Stilrichtung Hard Edge

Werk

Ellsworth Kellys Bilder, die zur Stilrichtung des Hard Edge gehören, zeichnen sich durch geometrische Flächen aus, die mit intensiver Farbgebung, mit harten und scharfen Konturen, aufeinander stoßen. Seine Werke schuf Kelly in abstrakter Gestalt mit äußerster Klarheit und Einfachheit. Seit 1945 malte er schwarz-weiße Bilder. Die Paneele oder die auf Keilrahmen gespannten Leinwände proportionierte er so, dass Unabhängigkeit und dennoch Einheitlichkeit der Form gewahrt bleiben. Die Formen der Paneele folgen vorbestimmten Systemen oder geometrischen Berechnungen. In den folgenden Jahren wendete Kelly sich von den rein geometrisch gehaltenen Paneelen ab, malte seine Paneele in Schwarz, Weiß und Grau und erprobte Variationen von Paneelpaaren, die längs einer Diagonale miteinander verbunden sind. 1958 begann er freistehende Skulpturen und seit 1973 totempfahlartige Skulpturen aus Stahl und Aluminium herzustellen.

(Quelle: Wikipedia)

 

Impressum

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    15. Juni 2014 - 06. Juli 2014

     

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    Nach dem äußerst erfolgreichen Start der Ausstellung im ECE-Neu-Isenburg sind mehrere Ausstellungen in ECE-Centern für 2014 in verschiedenen Stadten in der Planung, u.a. Lüdenscheid und wiederum Neu-Isenburg.

    Dortmund

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    'Fremde Realitäten' vom 23. August 2014 - 20. September 2014

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    Ausstellung im Kultusministerium für Landwirtschaft und Umweltschutz Magdeburg (geplant für 2014)